Geschichte

Die Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg ist eine gemeinnützige Vereinigung der Vorarlberger Ärzteschaft, die am 10. Juni 1951 gegründet wurde, die sich zukunftsorientiert für die Förderung und Pflege der ärztlichen Wissenschaft in Theorie und Praxis einsetzt und die sowohl die medizinische Weiterbildung als auch die Förderung des kollegialen und gesellschaftlichen Zusammenschlusses der Ärzteschaft des Landes Vorarlberg zu ihrem zentralen Anliegen gemacht hat.

Um die Verbreitung und Festigung neuer Erkenntnisse der medizinischen Forschung und Entwicklung in der Vorarlberger Ärzteschaft zu ermöglichen, entstand in der frühen Nachkriegszeit das Konzept der wissenschaftlichen Sitzung, in der nationale und internationale Referenten ihr Wissen und ihre Erfahrungen Vorarlberger Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung stellten und damit ärztliche Fortbildung und Erfahrungsaustausch vertieften. Das Angebot der Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg wurde bald durch Tagessymposien, Seminare, Exkursionen und Besichtigungen größerer Kliniken und Heilstätten oder pharmazeutischer Werke erweitert.

Die Gesellschaft der Ärzte entwickelte sich zu einer homogenen Vereinigung aller Ärztinnen und Ärzte des Landes und beeinflusste die medizinische Entwicklung in unserem Land wesentlich. Individuellen Fortschritt zeigte in der täglichen Praxis die gute Zusammenarbeit unter den Ärzten, die einer zu starken fachlichen Isolierung entgegenwirkte. Zu den gesundheits- und sozialpolitischen Akzenten, die die Gesellschaft setzen konnte, gehörten etwa die Forderung und Durchsetzung der generellen Kinderlähmungsimpfung 1959, die Forderung nach dem Bau einer Prosektur beim Neubau des Spitals und der Unfallstation in Feldkirch 1961, die Positionierung zum Bau des Atomkraftwerkes Rüthi 1965, die Entwicklung eines Autounfallkoffers für alle Ärzte im Lande 1966, die Stellungnahme zum Problem der Tollwuterkrankung 1968, der Aufbau und Umsetzung eines einheitlichen Konzeptes einer Diabetes-Diätberatung 1975 oder die Gründung eines medizinisch-chemischen Laboratoriums in Vorarlberg.

Zwischen 1957 und 1993 war die Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg Ausrichter der von ihr eingeführten internationalen Bodenseetagung, die alljährlich abwechselnd in Bregenz, Überlingen und Schaffhausen tagte. Neben der Neuerung klinischen Wissens durch bedeutende akademische Lehrer und erfahrene Praktiker, war der Kongress auch kollegiales und familiäres Treffen der Ärzteschaft rund um den Bodensee.

So entwickelte sich die Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens nicht nur zu einem erfolgreichem und modernem medizinisch-wissenschaftlichen Forum, sondern auch zu einer kollegial-familiären Plattform, welche die Bildung eines sozialen Netzwerks auch in privater Atmosphäre mit gemeinsamen Ausflugs- und Besichtigungsfahrten unterstütze. Der über viele Jahre veranstaltete Ärzteball oder jährliche Ärzteschirennen waren über die Ärzteschaft hinausrechende gesellschaftliche Ereignisse. Etwa in den 1960er Jahren gehörten durch ihre besonderen Leistungen bis heute bekannte Pioniere und Visionäre der Medizin wie Lorenz Böhler, Viktor Frankl, Werner Kreutzfeld, Herbert Junghans, Burghart Breitner, Karl Chiari, Rudolf Nissen oder Martin Allgöwer zu den Gästen und Referent bei den wissenschaftlichen Sitzungen der Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg war die Stiftung eines Wissenschaftspreises anlässlich ihre 25-jährigen Bestehens im Jahre 1976. Benannt nach Arnold Durig und Lorenz Böhler sollte der Preis den ärztlichen und wissenschaftlichen Nachwuchs im Land Vorarlberg fördern und wissenschaftliche Arbeiten zu allen medizinischen Fragestellungen auszeichnen, die durch Ärztinnen und Ärzte im Rahmen ihrer Tätigkeit in Vorarlberg entstanden sind. Bis heute wird der Durig-Böhler Gedächtnispreis jährlich an die beste, in internationalen Fachzeitschriften publizierte Forschungsarbeit aus dem vergangenen Jahr vergeben.

Über sieben Jahrzehnte hinweg war die Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg Teil von medizinischer Modernisierung und wissenschaftlichen Trendwenden. Bis heute setzt sie durch eigene Initiative und zahlreiche Kooperationspartnerschaften das Konzept der wissenschaftlichen Sitzung erfolgreich um, entwickelt Fortbildungsformate, fördert Aus- und Weiterbildung und steht für kollegialen Schulterschluss und partnerschaftliche Netzwerke, die von Vision und Innovation für die Zukunft getragen sein sollen.

Arnold Durig (* 12. November 1872 in Innsbruck; † 18. Oktober 1961 in Schruns) war Ordinarius am Lehrstuhl für Physiologie der medizinischen Fakultät an der Universität Wien und leistete Pionierarbeit auf den Gebieten der Ernährungs-, Stoffwechsel-, Arbeits-, Sport- und Höhenphysiologie. Von 1932 bis 1938 war Durig Vizepräsident der Gesellschaft der Ärzte in Wien unter Anton v. Eiselsberg und 1951 erster Ehrenpräsident der Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg.

Lorenz Böhler (* 15. Jänner 1885 in Wolfurt, Vorarlberg; † 20. Jänner 1973 in Wien) war Wegbereiter und Visionär der modernen Unfallchirurgie und ab 1920 ordentliches Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Mit seinen Ideen zu Spezialisierung und Normung, akribischer Dokumentation, Unfallprävention, statistischer Erfassung, Analyse und Synthese seiner klinischen Beobachtungen beeinflusste er maßgeblich die Eröffnung zahlreicher unfallchirurgischer Fachkrankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen, die Anerkennung der Unfallchirurgie als selbstständiges Universitätsfach und eine qualitativ hochwertige, erfolgreiche und flächendeckende Behandlung unfallverletzter Menschen in Österreich.


Präsidenten der Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg

- 1951/1952 Univ. Doz. Dr. Edwin Albrich

- 1952/1953 Dr. Hans Schalle

- 1953/1954 Univ. Doz. Dr. Erhard Wachner

- 1954/1955 Dr. Karl Drexel

- 1955/1956 Dr. Hermann Moosbrugger

- 1956/1957 Dr. Karl Wachter

- 1957/1958 MR Dr. Herbert Madlener

- 1958/1960 Dr. Fritz Cofalka

- 1960/1961 Dr. Peter Netolitzky

- 1961/1967 OMR Dr. Gustav Ostertag

- 1967/1969 Dr. Paul Hefel  

- 1969/1973 Dr. Alfred Schnauder    

- 1973/1975 Univ. Prof. Dr. Gerhard S. Barolin

- 1975/1977 Univ. Prof. Dr. Gert Mähr

- 1981/1982 Dr. Paul Hefel

- 1984/1985 Univ. Prof. Dr. Gerhard Zimmermann  

- 1995/2000 Dr. Ernst Gröchenig

- 2000/2001 Dr. Ulrike Gruber-Mösenbacher

- 2001/2002 Univ. Doz. Dr. Günter Höfle

- 2002/2004 Univ. Doz. Dr. Anton Haid

- 2004/2008 Univ. Prof. Dr. Robert Strohal

- 2008/2010 Univ. Prof. Dr. Karl Rössler

- 2010/2012 Univ. Prof. Dr. Christoph Säly

- 2012/2014 Univ. Prof. Dr. Karl Lhotta

- 2014/2016 Mag. Dr. Richard Bauer

- 2016/2019 Priv. Doz. Dr. Michael Osti, MBA


Die Durig-Böhler-Preisträger:

- 1981 Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Stricker-Barolin (Neurologie, LKH Rankweil), Prof. Dr. Reinhard Haller, Dr. Gerhard Müller (Allgemeinchirurgie, LKH Feldkirch)

.- 1984 Univ. Doz. Dr. Werner Benzer (Kardiologie, LKH Feldkirch) und Dr. Roland Heinzle (Unfallchirurgie, LKH Feldkirch)

- 1985 Priv. Doz. Dr. Alois Lang (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 1987 Dr. Wolfgang Oberthaler (Orthopädie, LKH Feldkirch)

- 1988 Priv. Doz. Dr. Alois Lang (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 1991 Univ. Prof. Dr. Klaus Hergan (Radiologie, LKH Feldkirch)

- 1992 Univ. Prof. Dr. Gerhard Szinic (Allgemeinchirurgie)

- 1993 Univ. Doz. Dr. Anton Haid (Allgemeinchirurgie, LKH Feldkirch)

- 1994 Univ. Prof. Dr. Gertrude Beer (Plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, LKH Feldkirch)

- 1995 Univ. Prof. Dr. Klaus Hergan (Radiologie, LKH Feldkirch), Dr. Otto Gehmacher (Innere Medizin, LKH Hohenems) und Dr. Mathias Scheyer (Allgemeinchirurgie, LKH Feldkirch)

- 1998 Dr. Gerhard Müller (Allgemeinchirurgie, LKH Feldkirch)

- 2000 Univ. Doz. Dr. Anton Haid (Allgemeinchirurgie, LKH Feldkirch)

- 2001 Dr. Roswitha Köberle-Wührer (Allgemeinchirurgie, LKH Feldkirch), Dr. Karl-Heinz Ammann (Allgemeinchirurgie, KH Dornbirn) und Dr. Andreas Conca (Neurologie, LKH Rankweil)

- 2002 Dr. William Peschina (Nuklearmedizin, LKH Feldkirch), Dr. Christian Mann (Kinder- und Jugendheilkunde, LKH Feldkirch) und Dr. Arnold (Allgemeinchirurgie, LKH Bludenz)

- 2003 Priv. Doz. Dr. Günter Höfle (Innere Medizin, LKH Feldkirch) und Dr. Gerda Tautermann (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 2004 Univ. Prof. Dr. Christoph Säly (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 2005 Priv. Doz. Dr. Günter Höfle (Innere Medizin, LKH Feldkirch) und Dr. Stefan Ebner (Allgemeinchirurgie, LKH Bregenz). Anerkennungspreis Dr. Eva Mann (Allgemeinmedizin, Feldkirch)

- 2006 Univ. Prof. Dr. Martina Huemer (Pädiatrie, LKH Feldkirch) und Univ. Prof. Dr. Christoph Säly (Innere Medizin, LKH Feldkirch).- Anerkennungspreis Dr. Ariane Bibel (Pädiatrie, Linz)

- 2007 Priv. Doz. Dr. Arno Martin (Orthopädie, LKH Feldkirch). Anerkennungspreis Priv. Doz. Dr. Emanuel Zitt (Nephrologie, LKH Feldkirch)

- 2009 Priv. Doz. Dr. Thomas Winder, PhD (Innere Medizin, LKH Feldkirch) und Dr. Thomas Marte (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 2010 Priv. Doz. Dr. Philipp Rein, PhD (Innere Medizin, LKH Feldkirch) und Dr. Iris Zachenhofer (Neurochirurgie, LKH Feldkirch)

- 2011 Priv. Doz. Dr. Stefan Riml (Plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, LKH Feldkirch) und Priv. Doz. Dr. Alexander Vonbank, PhD, MBA (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 2012 Priv. Doz. Dr. Michael Osti, MBA (Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, LKH Feldkirch)

- 2013 DDr. Johannes Cip (Orthopädie, LKH Feldkirch)

- 2014 Priv. Doz. Dr. Philipp Rein, PhD (Innere Medizin, LKH Feldkirch)

- 2015 Priv. Doz. Dr. Michael Osti, MBA (Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, LKH Feldkirch)

- 2016 Priv. Doz. Dr. Emanuel Zitt (Nephrologie, LKH Feldkirch). Anerkennungspreis Dr. Hannelore Sprenger-Mähr (Nephrologie, LKH Feldkirch)

- 2017 Andreas Bösl, MSc (Molekularbiologie, LKH Feldkirch)

- 2018 Priv. Doz. Dr. Emanuel Zitt (Nephrologie, LKH Feldkirch). Anerkennungspreis Dr. Johannes Cip (Orthopädie, LKH Feldkirch)

Kontakt

Gesellschaft der Ärzte in Vorarlberg
Postfach 111, Carinagasse 47A, 6800 Feldkirch
Tel. +43 5522 303 1197  Fax. +43 5522 303 7530
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